Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


cento_an:qtyp

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
cento_an:qtyp [2023/11/14 17:01] xaverkainzbauercento_an:qtyp [2023/11/23 08:30] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 23: Zeile 23:
 ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
  
-{{ :cento_an:0022_typos_q.png?400|}}+{{ :cento_an:0022_qtypos_x.png?500|}}
  
 Zur ältesten Schicht des Cantus Gregorianus zählt der Typos Q. 105 Antiophonen im Stammrepertoire der zirka 2000 Antiphonen des Codex Hartker sind Protus von der Quart. Dieser Typos, älter als das System des Octoechos, lässt sich nur schwer einem der 8 Modi des Octo­echos zuordnen. Ursprünglich als Protus plagalis dem Protus zugeordnet, wurde er im Hochmittelalter als "Quartus transpositus" zum Deuterus erklärt, um heute wieder als "Protus von der Quart" zwischen 1. und 2. Modus angesiedelt zu sein. Tatsächlich hat dieser vierteilig strukturierte Typos (AB - CD) eine Melodik, die vom Standpunkt des jüngeren Octoechos aus teilweise dem 8., 7., 5., 4. und 2. Modus angehören, aber alles in allem dem Protus zugerechnet wird. Zur ältesten Schicht des Cantus Gregorianus zählt der Typos Q. 105 Antiophonen im Stammrepertoire der zirka 2000 Antiphonen des Codex Hartker sind Protus von der Quart. Dieser Typos, älter als das System des Octoechos, lässt sich nur schwer einem der 8 Modi des Octo­echos zuordnen. Ursprünglich als Protus plagalis dem Protus zugeordnet, wurde er im Hochmittelalter als "Quartus transpositus" zum Deuterus erklärt, um heute wieder als "Protus von der Quart" zwischen 1. und 2. Modus angesiedelt zu sein. Tatsächlich hat dieser vierteilig strukturierte Typos (AB - CD) eine Melodik, die vom Standpunkt des jüngeren Octoechos aus teilweise dem 8., 7., 5., 4. und 2. Modus angehören, aber alles in allem dem Protus zugerechnet wird.
  
 +{{ :cento_an:gph_q_comm1.png?600|}}
 Vom Tetrachord aus betrachtet schwebt die Melodie zwischen Quart­spannung sol-do (Tetrardus = TT) und Terzspannung la-do (Pro­tus = PR) und nimmt noch zusätzliche Elemente auf. Was nicht vor­kommt ist die Halbtonspannung des Deuterus ( = DT; 3. und 4. Mo­dus) und der naive Urmodus DO (6. Modus). Vom Tetrachord aus betrachtet schwebt die Melodie zwischen Quart­spannung sol-do (Tetrardus = TT) und Terzspannung la-do (Pro­tus = PR) und nimmt noch zusätzliche Elemente auf. Was nicht vor­kommt ist die Halbtonspannung des Deuterus ( = DT; 3. und 4. Mo­dus) und der naive Urmodus DO (6. Modus).
  
 +  0022  INC  Benedicta tu   /  MED in mulieribus //
 +        NOV  et benedictus  /  TER fructus ventris tui.
        
 **[[cento_an:qinc|QINC]]**  Intonation des 8. Tons im aufsteigendem Tetrachord sol-la-do und Übersteigerung um eine Stufe zum re (7. Modus). **[[cento_an:qinc|QINC]]**  Intonation des 8. Tons im aufsteigendem Tetrachord sol-la-do und Übersteigerung um eine Stufe zum re (7. Modus).
Zeile 38: Zeile 41:
 **[[cento_an:qter|QTER]]**  Tetrachord mit Unterschwung zum fa (8.Ton, der Unterschwung etabliert "fa-la-do": 5.Ton, was eine typische Wendung für den 8. Modus ist). Die Terminatio fällt aber nicht um die Quart zum sol (8. Ton), sondern nur um die Terz zum la (Protus von der Terz = 1. und/oder 2. Modus).  **[[cento_an:qter|QTER]]**  Tetrachord mit Unterschwung zum fa (8.Ton, der Unterschwung etabliert "fa-la-do": 5.Ton, was eine typische Wendung für den 8. Modus ist). Die Terminatio fällt aber nicht um die Quart zum sol (8. Ton), sondern nur um die Terz zum la (Protus von der Terz = 1. und/oder 2. Modus). 
  
-{{ :cento_an:gph_q_comm1.png |}}+Die vierteiligen Texte sind inhaltlich in zwei Zeilen gegliedert INC+ MED - NOV + TER Auf  Feinheiten der Gliede­rung wird durch Buchstaben (c, st, x etc) hingewiesen. z.B.: 
  
- +  0352 Oculi mei / semper ad dominum / / quoniam ipse evellet / de laqueo pedes meos.\\ 
-Die Texte dieses Typos sind immer vierteilig, wobei grundsätzlich INC und MED ebenso wie auch NOV und TER näher aneinander­gerückt sind als MED und NOV. Auf Varianten und Feinheiten der Gliede­rung wird durch Buchstaben (c, st, etc) hingewiesen. z.B.:  [[ant:0008]] st, [[ant:0352]] x, [[ant:1774]] c +[[neumen:litterae#c_st_x|x]] = exspectare: goße Pauseabschließen und neu anfangen.\\ 
- +  1774 Posuisti domine / super caput eos / c  / coronam de lapide / pretioso.\\ 
-  0022  INC  Benedicta tu    MED in mulieribus // +[[neumen:litterae#c_st_x|c]] = celeriter: nicht abschließen sondern sofort weitergehen.\\ 
-        NOV  et benedictus  /  TER fructus ventris tui.+  0008 Ecce veniet propheta magnus st / et ipse renovabit /  hierusalem alleluia.\\ 
 +[[neumen:litterae#c_st_x|st]] = statim: abschließen aber dann sofort weitergehen.\\
  
 Die Texte haben stark proklamatorischen Charakter, dem entspricht auch die Häufung der Typusmelodie zu bestimmten Zeiten im  Kir­chen­jahr. So stammen von den rund 100 Antiphonen 24 aus dem Advent, 20 aus der Quadragesima, 20 aus der Osterzeit. Die Texte haben stark proklamatorischen Charakter, dem entspricht auch die Häufung der Typusmelodie zu bestimmten Zeiten im  Kir­chen­jahr. So stammen von den rund 100 Antiphonen 24 aus dem Advent, 20 aus der Quadragesima, 20 aus der Osterzeit.
Zeile 81: Zeile 85:
 ––––––––––––––––––––––––––––– –––––––––––––––––––––––––––––
  
-===== QINC ===== 
- 
-<fc #008080>Protus von der Quart - Incipit</fc> 
- 
- 
-{{:cento_an:gph_q_inc_comm1.png?350 |}} 
- 
-Der Cento ist ein-bis dreiakzentig. Die Klanggestalt dieses Cento ändert sich auffällig, je nach Anzahl der Akzente (ebenso cf.: **[[cento_an:1inc_vrgstr|1INC VrgStr]]**). 
- 
-{{ :cento_an:gph_q_inc_comm2.png?350|}} 
-einakzentig: Der Akzent liegt auf dem Pes "do-re" 
- 
-zweiakzentig: Der erste Akzent wird "praetonisch" behandelt und liegt auf "sol" bei PO ("**sól**-la"), oder "la" bei PPO ("lá-sól-la"). 
- 
-Bei dreiakzentigen Texten bleiben die "praetonischen" Töne beim ersten Akzent, der zweite Akzent liegt samt seinen posttonischen Silben auf "do", der dritte Akzent steigt zum "mi" (nkPes "do-mi"), die Endsilbe geht wie in allen Fällen zum "re". 
- 
-Bei PPO auf dem letzten Akzent wird der Akzentpes auf zwei Silben verteilt (Dihärese), wobei der Binnenton des PPO mit kPes versehen wird. Zielführender wäre die Bezeichnung **Virga urgens**, in der Diärese entsteht kein neuer Ton! Der obere Ton des Pes wird mit portamento versehen, um seiner Vernachlässigung  entgegenzuwirken.  
- 
-Es ist die Frage zu stellen, wie dieses PPO in der praktischen Ausführung geklungen hat, im 12.Jh aber vor allem im 8.Jh. Was lässt sich aus den Quellen dazu erheben? 
- 
-{{:cento_an:gph_q_inc_comm3.png?400|}} 
- 
-Die heutigen praktischen Ausgaben schreiben zusammen mit den meisten jüngsten unserer Quellen (Wc, Fo2, Ka, De) auf der Binnensilbe den Pes mit dem Durchganston "re" und "mi". Der Unterschied zwischen kPes und nkPes ist nach der Adiastematie (nach 1000) nicht mehr bekannt, die Neume beginnt mit dem ersten Ton, was unweigerlich zur falschen Betonung "plu-**ví**-a" führt. Schon die Cistercienserreform kritisiert diese falsche Betonung. Während Wm noch wie die anderen Handschriften des 12./13.Jh schreibt, verschiebt Zw den Pes auf die eigentliche Akzentsilbe "**plú**-via". Entgegen diesen späten Quellen, bringt T1+T2 einfach den Pes in zwei Töne zerlegt, keine falschen Betonungen können entstehen. Lc (13.Jh) schreibt in allen vergleichbaren Fällen konsequent unisonischen Terzpes. Ein Durchgangston "re" ist also in dieser Formel niemals beteiligt. Diese Quellenlage bleibt durchgehend in allen Fällen erhalten. Dazu gehen in [[ant:1491]] auch Bv1+2 mit T1+2 mit! In [[ant:1601]]  hat auch Ka+T1 den Terzpes. 
- 
-{{ :cento_an:gph_q_inc_comm4.png?400|}} 
- 
-Der kPes der adiastemantischen Quellen H+MR ist entgegen späterem Verständnis sicher als //Pes initio debilis/ Virga urgens// zu verstehen, der erste "Ton" ist so leicht, dass er verschwinden kann (T1+2) oder bloß ein portamento übrigbleibt(Lc). So gesehen ist es egal, ob dieser erste "Kaum-ton" ein "re" oder "do" ist, hat er doch ohnehin keinen realen Tonort. Die suggestive Kraft der Notenschrift würde aber bei einem "re" als eigenen Ton zwischen den Rahmentönen "do" und "mi" immer dazu verführen, doch einen eigenen "Ton" zu singen. Ein „re“ kann nicht einfach verschwinden, ein unisonischer (portamento!)Anschluss schon.  
- 
-Hier spielen mehrere Erkenntnisse zusammen, die sich aus den bisherigen Untersuchungen ergeben haben: Unser modernes definierendes Denken stellt uns vor die Frage: ist das ein Ton oder nicht? Diese Frage ist im gregorianischen Choral unzulässig.  
- 
-  * Die fließenden Übergänge von gar kein Ton bis voller Ton etwa beim [[neumen:neuma#Pes]] (Virga: eintoniger Pes, Virga urgens, kPes, nkPes, dreitoniger Pes) verhindern die Festlegung auf Tonzahlen.. 
- 
-  * Die Ton**anzahl** ist kein brauchbares Mittel eine Neume zu benennen, die Ton**stufen** schon. Es ist ein Unterschied, ob ich eine Silbe als kPes bezeichne, oder als Virga urgens. 
- 
-  * In diesem Zusammenhang ist auch zu verstehen, warum wir als graphisches Zeichen für den ersten leichten Ton nicht die kleine schwarze Note verwenden, wie die meisten neueren Ausgaben, sondern die große leere(weiße) Note: sie legt einen Tonort viel weniger fest als der schwarze, wenn auch kleine **Punkt**. 
- 
-  * Notwendend ist es, die nicht mehr ganz neue Erkenntnis, dass eine Neume nicht mit der ersten Note beginnt, aber mit der letzten aufhört, in der Praxis wirklich anzuwenden. 
- 
- 
-**dreiakzentig PPO**:  
-domin(um/e/us): 0021, 0085, 0089, 0092, 0093, 0094, 0101, 0598, 0803, 0823, 1241, 1774,  
- 
-véniet: 0038,  
-ierúsalem: 0039,  
-désuper: 0091, 
-delébitur: 0138, 
-plúvia: 0139, 
-fácta es: 0586, 
-laudáre te: 0593, 
-ópera: 0841, 
-hábeo: 0885, 
-mánibus: 1253, 
-appáruisti: 1491, 
-ófferet: 1601, 
- 
-**PPPO**: nósmetipsos: 0728 
-in véntre coeti:0736 
  
  
Zeile 145: Zeile 92:
 ––––––––––––––––––––––––––––– –––––––––––––––––––––––––––––
  
-===== QMED ===== 
- 
-<fc #008080>Protus von der Quart - Mediatio</fc> 
- 
-[[ant:0023]], [[ant:0120]], [[ant:0119]]. Ausnahmefälle   [[ant:1061]] 
- 
-––––––––––––––––––––––––––––– 
- 
-===== QNOV ===== 
- 
-<fc #008080>Protus von der Quart - Reintonatio (Novum)</fc> 
- 
-[[ant:0061]] 
- 
-––––––––––––––––––––––––––––– 
- 
-===== QTER ===== 
- 
-<fc #008080>Protus von der Quart - Terminatio</fc> 
  
-vide [[ant:0120]] 
cento_an/qtyp.1699977674.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)

Donate Powered by PHP Valid HTML5 Valid CSS Driven by DokuWiki