Dies ist eine alte Version des Dokuments!
O-Antiphon A
Die eröffnende Silbe „O“ ist ein Trc initio debilis, oder eine Clv urgens „do-fa-mi“. Auf alle Fälle ist der erste Ton so leicht, dass er auch entfallen kann (Tol). Fast alle Quellen verstehen dieses 'portamento' als Quartaufstieg, nur Ka + Wm/Zw korrigieren, dem Modus entsprechend, zur Terz.
Der Oriscus, der Pressus zeigt hier Centoübergang an und das bereits nach nur einer Silbe ! Das heißt, der Ausruf „oh“ muss bewusst vom folgenden Text abgesetzt werden.
Die solesmenser Ausgaben sollten hier eine divisio minima geschrieben haben.
Sicher ist der Gipfelton, das „fa“ sehr breit, aber nicht zu verdoppeln (siehe 1612 coniunctum).
In diesem speziellen Fall notieren wir b) zwei ineinandergeschobene Quadrata, nicht nur c) einen Ton mit forgender Rhomba.
In MR wurde von den originalen O-Antiphonen in jeder zweiten das „O“ radiert ( 0122, 0124, 0126, 0129)! War den späteren Benutzern des codex MR das tägliche „Oh“ vor Weihnachten zu peinlich?
Darüber hinaus füllt MR die TerzClv „fa-re“ grundsätzlich zum Clm „fa-mi-re“ auf. Ein klarer Fall von plerosis.
Der weitere Verlauf des Cento ist ein Musterbeispiel für die Benutzung der Liqueszenz. Der Cephalicus „mi“ steht an Stelle der Clv „mi-re“. Die Reduzierung der Clv zum Cephalicus, der Verzicht auf den Durchgangston „re“, gibt dieser Silbe einen Mehrwert, betont sie. Meist ist es die Akzentsilbe eines PPO, aber nicht jedes PPO in dieser Position muss betont sein: „O oriens“. Das Zusammenspiel von Silbenanzahl und Akzentsituation gibt dem Text/der Melodie die jeweilige Gestalt. „sapiéntiae“ „vírgo vírginum“ „quántus luctus ómnium“