[[neumen:neuma|⬅️]] **NEUMA** x ====== DREISTUFIGE NEUMEN ====== ===== SCANDICUS ===== Der Scandicus (**Sca**) ist ein übersteigerter, verlängerter und damit verstärkter Pes, eine weitere Akzentneume. Die drei aufsteigenden Stufen Der kurrente Scandicus (Sca--3) wird in G immer als Salicus geschrieben, der mittlere Ton ist ein Halbkreis, ein sehr reduzierter Oriscus. Damit ist der (leichte) Schwung nach oben ausgedrückt. Allerdings gibt es auch einen nkSalicus (Sal123). L schreibt hier meist einen gewöhnlichen Scandicus (Pkt-Pkt-Vrg), in wenigen besonderen Fällen aber auch den aufwendigen Oriscus (Pkt/Unc-Osc-Vrg). Ch+Ang schreiben grundsätzlich nur Scandicus, wie auch ein Unterschied zwischen k und nk nicht auszumachen ist. MR schreibt Salicus. Ein besonderer Fall ist die Quintintonation des 1.Modus. Beim Sca-23 (re-la-si) ist der erste Ton so leicht, dass er wie im kPes sogar entfallen kann. Das bestätigt Ang. Ist durch praetonische Silben das "re" bereits etabliert, so verwendet Ang für den Akzent eine besondere Neumengraphie: Oriscus mit angebundenem kPes ([[grad:0491]]). Fehlen praetonische Silben, so schreibt Ang wie alle anderen auch Pes ([[grad:0026]]). Zum Salicus ist zu sagen: in gewisser Weise steht der Oriscus für einen Nicht-Ton!? cf.[[ant:0303]], Eine wichtige Neume ist der anfangsartukulierte Sca 1-3 . ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– ===== TORCULUS ===== {{ :neumen:gph_trc_01.jpg?200|}} Torculus (**Trc**) (lat.: torquere: umkränzen, umwinden, schmücken) wird die Bewegung tief - hoch - tief genannt, egal welche Intervalle anfallen. Wie der Pes geht er leicht zum zweiten Ton, wie die Clivis führt er die Energie des Gipfels ruhig zum Ende. Er wird nicht selten auch als „**Pes flexus**“ bezeichnet, um die Leichtigkeit des Einstieges gegenüber dem ruhigen Ausklang auszudrücken. Die Eigenschaften des kPes bedenkend, wäre „**Clivis urgens**“ vielleicht der bessere Name. Denn auch beim Torculus, wie beim kPes, ja sogar noch häufiger, entfällt in bestimmten Konstellationen in der einen oder anderen Handschrift der erste Ton und es bleibt eine Clivis (Clivis urgens) über. //Es ist bezeichnend für das a priori unseres Denkens, dass der Torculus zwar öfters schon als "pes flexus" bezeichnet wurde, vom Beginn her gedacht, aber bisher nie als "clivis urgens", vom Ende her bezeichnet wurde. Es wird noch eine gewaltige Wende in unserem gregorianischen Denken nötig sein, bevor wir dem Ansatz L. Agustonis wirklich gerecht werden "Eine Neume beginnt nicht mit der ersten Note, sie hört mit der letzten auf".// ------------------------------------------------ {{ :neumen:gph_trc_02.jpg?200|}} Der Torculus ist die **Schmuckneume** schlechthin. Er breitet eine Silbe aus. Das kann eine Akzentsilbe sein, dann wird der Torculus kurrent (kTrc) notiert. Das kann auch am Satzende die vorletzte Silbe sein, um den Satz abzurunden. Dann ist es immer ein nicht-kurrenter-Torculus (nkTrc). Das Graduale Romanum notiert das in der Quadratnotenschrift mit waagrechtem Episem. Unsere Quadratnoten verwenden dieses Episem nicht, die supralinearen St.Galler Neumen erfüllen diese Aufgabe. MR unterscheidet nicht zwischen kTrc und nkTrc. Beide Antiphonal-Handschriften (H+MR) haben allerdings ein eigenes Zeichen für den **Torculus initio debilis**. In H ist der Mittelteil des kTrc lang gezogen (tracée); in MR ist der erste Ton eingerundet. In unserer Quadratnotenschrift wird dieser erste schwache Ton leer (weiß) geschrieben. {{:neumen:gph_trc_03.jpg?350 |}} In allen Handschriften steht die verbundene Schreibweise für kTrc. Der nkT ist in C+E durch Ausschwingen der Schreibbewegung dargestellt, L schreibt getrennt drei Uncini. Der nkTrc in Ang wird durch rechts aufsteigenden Schlussstrich dargestellt. MR und Bv unterscheiden nicht zwischen k und nk. Der Torculus initio debilis ist in C mit langezogenem Mittelstrich dargestellt, in E durch tenete (**t**) oder **Episem** auf dem zweiten Ton, dem Gipfel des Torculuszeichens dargestellt. L und MR verwenden die Einrundung des ersten Tons, um initio debilis darzustellen. Ch schreibt den nkTrc mit Neunentrennung nach dem ersten Ton, was der Graphie von Torculus initio debilis entspricht. Die ausdrückliche Notation der Endartikulation des Torculus in C + E durch Episem und in L durch "t" tenete ist nur eine Wiedererinnerung. Das doppelte Episem in C steht an genau jenen Stellen, die in der Praxis ("nicht schon wieder vergessen") regelmäßig vergessen werden. Die Intervalle werden durch längere und kürzere Striche in etwa dargestellt in Ang und Bv. In Bv zeigt ein waagrechter Anstrich an, dass der Ton zuvor tiefer oder gleich hoch ist. Ein fallender Anstrich weist auf einen höheren Ton zuvor hin. Die Graphien von Bv sind mehr an Melodienverläufen interessiert, als an Artikulation. === TrcACC === **Akzenttorculus = verbum accens = Trc acc**\\ Steht der Torculus am Wortakzent, so ist er grundsätzlich ein kurrenter Torculus (kTrc --3).\\ In [[grad:0001]] "iucun-//di-ta-tem//" folgen Trc par - acc - fin unmittelbar aufeinander. Der Trc akz ist ein kTrc.\\ aber: [[ant:0045]],[[ant:1152]],[[ant:0110]] === TrcGRAV === **Torculus einer wichtigen Aussage = torculus gravis = TrcGRAV **\\ Der TrcGRAF ist ein Sonderfall des TrcACC. Er ist ein kTrc der die Terz aufsteigt und um die Sekund fällt. Er ist in gewisser Weise die Steigerung des TrcACC. === TrcFSE === **Torculus am Satzende = Torculus finalis sententiae = TrcFSE**\\ Der Satzende-Torculus (finalis sententiae) ist immer ein nicht kurrenter Torculus (nkTrc 123). Er steht immer, unabhängig von Akzenten, auf der vorletzten Silbe und beendet einen Satz. Meist steht er auf der Finalis. \\ Die übliche Sekund-Bewegung kann durch Quilisma zur Terz erweitert sein, dann gibt er dem Satz Nachdruck (vide RP [[ant:7040]] et [[ant:7050]], [[grad:0040]])\\ [[grad:0002]] "eru**bes**cam", "non confun**den**tur", [[grad:0034]] "usque in sae**cu**lum" Der TrcFSE ist eine Neume der RP, der IN, OF + CO, auch der AL. In den AN kommt er nicht vor. ------------------------------------------------ === Torculus mit Anfangsartikulation === ===== Trc i.d. ===== **Torculus initio debilis (Trc i.d.) - Torculus specialis** Die adiastematischen Neumen der St.Galler Handschriften notieren weniger Tonhöhen, als vielmehr den Tonwert der Neumen/Silben. Wie dieser Tonwert zu verstehen ist, war 100 Jahre Streitpunkt der Wissenschaft. Wo Solesmes sich mit der **Zählmethode von Solesmes** in die "egalité aller Töne" flüchtete, und die zünftige Musikwissenschaft sich in Modelle **proportionaler Erklärungsmodelle** (Viertel,Achtel,Halbe) flüchtete, erkannte **Eugene Cardine** als erster den //Silbenwert// der Töne und Neumen. Um proportionales und egalistisches Vorverständnis a priori auszuschließen, sprechen wir heute im Choral von "**Artikulation**" an Stelle von Rhythmus. Cardine machte ernst mit dem Begriff Neume = (erklingende) Silbe. Neben unterschiedlichen Graphien des Torculus gibt es auch wenige Fälle wo auf **einer Silbe** drei Töne tief - hoch - tief aus Tractulus und Clivis bestehen. Die Metanioa bestand darin, die Graphien "Tractulus und Clivis" wenn sie auf nur **einer Silbe** stehen als "Torculus mit Neumentrennung nach dem ersten Ton" zu verstehen. So konnte Cardine formulieren (zum ersten Mal mündlich in Klosterneuburg 1968): Die Artikulation einer Neume kann dargestellt werden durch 1) Zusatz von Zeichen a) Episeme b) Buchstaben 2) Veränderung des Zeichens 3) Neumentrennung {{:neumen:gph_trc_e.c..jpg?500|}} Damit war der Weg frei, auch Handschriften wie L oder Ch zu verstehen, und sich von der Zählmethode von Solesmes (eine Neume beginnt immer mit der ersten Note) und proportionalen Methoden (Viertel, Achtel) zu lösen. Dieser neue Zugang wurde von Cardine "Semiologie" genannt. === Clivis urgens = Torculus initio debilis (-Pes flexus) === Der **Torculus initio debilis** (mit schwachem Anfang, oft einfach **Torculus specialis** genannt) besser als **Clivis urgens** bezeichnet, wird in drei speziellen sprachlichen (elucotorischen) Kontexten verwendet. Als {{ :neumen:gph_trc_avb.jpg?350|}}\\ • Akzentvorbereitender Torculus, (parans accentum) "TrcPAR" als\\ • Wortartikulationstorculus oder (verbum finiens) "TrcFIN" als\\ • Intonationstorculus, einen Satz eröffnend (sententiam intonans) "TrcINT". === TrcPAR === **Akzent vorbereitend = accentum parans = Trc par**\\ Der Torculus liegt auf der Silbe vor dem Akzent und erzeugt jenen Stau, der den folgenden Akzent provoziert. Er ist immer ein Sekund-Sekund-Torculus und liegt zwischen zwei Tönen im Abstand der großen Terz (fa-la oder sol-si). **Einsiedeln** setzt grundsätzlich das Wissen um den Trc i.d voraus, nur selten ist eine Verlängerung des zweiten Neumenelements zu erkennen. Im Fall des Introitus (IN) "Misereris" 0107 weist das "altius" auf die akzentvorbereitende Position hin. Das "mediocriter" soll allzuviel Emphase verhindern. **Chartres** reduziert die Neume zur Clivis (Clivis urgens). **Laon**, **Benevent** und auch **Mont Renaud** haben ein eigenes Zeichen für "initio debilis": die Einrundung des ersten Element schwächt diesen Ton. Der "Spezialtorculus" ist also eine Zwei-bis-drei-Ton-Neume. Offensichtlich ist die Anzahl der Töne nicht geeignet, eine Neume zu definieren. Denn ob eine Clivis geschrieben wird, oder ein Torculus spezialis oder ein gewöhnlicher Torculus ist die Eigenart einer jeden Handschrift. Ob beim Erklingen der erste Ton einen fixen Tonort hat, so könnte man das altius in E deuten, oder zum Portamento mit unbestimmter Tonhöhe wird, oder ganz entfällt, ergibt sich aus der Persönlichkeit und Stimmungslage des jeweiligen Sängers. Die Handschriften sind in ihrem Vorgehen keineswegs systematisch. In der CO "Viderunt omnes" schreibt L die Clivis, E kTrc, nur Ch kennt keinen Torculus specialis und notiert meist Clv, manchmal kTrc. vide: [[ant:7380]] "et //ad// ignem" ------- === TrcFIN === **Wort artikulierend = verbum finiens = Trc fin**\\ Wortartikulation bedeutet das sorgfältige Absprechen eines Wortes, es im Nachhinein zu seinem Wert kommen zu lassen. {{:neumen:gph_trc_watk.jpg?450 |}} "Nó//tas)// mihi fecisti": "Be//kannt)// hast du mir gemacht". Einsiedeln schreibt den Trc specialis mit tenete auf dem zweiten Ton (Torculus mit vorbereiteter Endartikulation **-23**). Auf "fe**cís**ti" folgt ein kTrc: Akzenttorculus **--3**. Im IN "Accipite" folgen drei unterschiedliche Torculi unmittelbar aufeinander. Der Wortende-Torculus (Wortartikulations-Torculus) beschließt mit viel Elan die Stelle. Der Akzenttorculus davor wird wiederum mit dem akzentvorbereitenden Torculus " Iocun-**di**-tátem" vorbereitet. {{:neumen:gph_trc_pater_si_non.jpg?300 |}} Der emotional hochgestimmte Beginn der CO "Pater si non potest" (Palmarum) zeigt die unbestimmte Tonhöhe des portamento auf. Schon ab dem 11. Jh. (Albi aquitanisch) heben sich der erste Ton des Halbtonpes und des Artikulationstorculus zum unisonischen do. Sollte schon im 11. Jh. beim Übergang von rhetorischem zu musikalischem Zugriff auf die Melodien auch eine Neume nicht mehr mit dem letzten Ton aufgehört, sondern mit dem ersten begonnen haben? Bedenkt man die auch heute noch anzutreffende Singpraxis, mit dem ersten Ton zu beginnen, so ist die jüngere Melodienotation richtiger als eine falsch interpretierte "Originalmelodie". vide et: [[ant:0070]] "petitiones vestrae", [[ant:7363]] "per totum mundum". ------- === TrcINT === [[neuma:TrcINT| ▶️]] zum 1.Ton des TrcINT vide [[grad:0050]] {{ :neumen:0162_trc.i.d.png?400| }} **Satz eröffnend/intonierend = sententiam intonans = Trc int**\\ Der Intonationstorculus eröffnet einen Satz schwungvoll. Leichter Quartaufschwung, semitonaler Rückschwung. Vor allem in Tetrarduskontexten, aber auch im Protus erscheint der Intonationstorculus. Er bildet im 7. Modus die typische Intonation. === zur Rezeption der Clivis urgens === Auf die Frage, wie denn nun ein Torculus specialis / eine Clivis urgens (Namen sind Festlegung eines a priori/eines Vorurteils) zu singen sei, gibt es drei Antworten a) Der erste Ton fällt aus, oder nicht (JBG). Das entweder / oder passt nicht in die so einheitliche Tradition der gregorianischen Melodien. b) Der erste Ton wird ganz bewusst //kaum// gesungen (GJ). Psychologisch gesehen ein Widerspruch in sich. Dieser Satz erinnert an den Blick des Kaninchens auf die Schlange. In der Praxis wird dann der Ton zwar kurz, aber sehr pointiert gesungen. c) Laon und Mont Renaud, aber auch Chartres verwenden eigene Graphien, die Leichtigkeit des ersten Tones darzustellen (initio debilis). Welches Phänomen liegt vor sprachlich / akustisch / musikalisch, wenn die einen Handschriften einen Ton schreiben, die anderen aber nicht, die dritten sogar ein Spezialzeichen erfinden? Könnte es nicht jener „portamentoartige Gleitton“ sein, den Agustoni/Göschl dem Quilisma zu Unrecht zuschreibt? Könnte nicht der Torculus specialis (der Pes flexus) eigentlich eine Clivis sein, die von unten her „portamentoartig“ angeschliffen, österreichisch formuliert „angeraunzt“ wird (Clivis urgens)? Steht uns nicht unser Vorurteil, die Neumen vom Anfang her zu benennen im Weg? Warum heißt der Torculus auch Pes flexus, aber nicht besser „Clivis portamentata“ oder „Clivis inaugurata“ oder „Clivis emphatica“ (Wir haben uns letztendlich auf "Clivis urgens" festgelegt) ?! Ist dieses Phänomen nicht auch bei der [[neumen:neuma#bivirga_tristropha|Bivirga]] zu sehen? Ja, ist es nicht für den kPes hundertfach konstitutiv. Nennen wir dieses Phänomen "**portamento**". Der Intonationstorculus der Psalmodie im 7.Ton (Tetrardus authenticus) kann also eine //Dreitonneume// sein, sich zur //Zweitonneume// reduzieren, oder (initium debilis //und// Liqueszenz bedenkend) zum //eintonigen// Cephalicus reduzieren. In E ist grundsätzlich der erste Ton "sol" entfallen; je nach Text stehen Clivis oder Cephalicus, die Zisterzienserreform (Zt) geht dabei mit. Bv, A+Y, Mod, Ang schreiben immer den vollen Intonationstorculus aus. Kl schreibt nur einen Ton, vermeidet die Tonwiederholung und eröffnet die Psalmodie mit "si" und "do-re". Leider haben die deutschen Benediktiner in ihrem dt.Antiphonale diese Form gewählt und nicht das richtigere "do" - "do-re".\\ Ein schönes Beispiel für die ganze Problematik ist das späte AL [[ant:1660]] bei "//mun//di crimina". Nur Benevent und Modena tradieren dieses Alleluia. Mod mit vollem Intonationstorculus, Bv mit Cephalicus, dessen Graphie unter keinen Umständen einen zweiten Ton zulässt. Der Intonationstorculus steigt über die Quart oder Terz, unisonisch zum vorhergehenden Ton, auf. So die gängige Lehre. Wir schreiben grundsätzlich nur Quart-Torculus, um ihn in seiner Funktion besser erkennbar zu machen. Sein erster "Ton" ist so unbestimmt, er hat keine Ton"höhe". vide: RP "Peto domine" [[ant:7568]] "peccatis" in codex Wc. Vor allem siehe: CO Ecce virgo [[grad:0641]] und das “inferius' in E auf dem "ersten Ton" des Trc. [[ant:7443]] "//un-i//-versum" [[grad:0690]] "Nemo te" Sonderfall ------------------------------------------------ === 2-4 toniger Torculus === G0480 "proxi-mae" [[ant:0861]] etc. === CAD dt === Die Kadenz des Deuterus ist ein kTrc mit strophischem Ende, wie bei allen CAD folgt auf der Endsilbe Clv. –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– ===== PORRECTUS ===== Der Porrectus (lat. porrigere: wieder aufrichten) (**Por**) ist eine Dreistufenneume hoch-tief-hoch.\\ Anders als der Torculus verbreitert der Porrectus eine Silbe kaum, er streckt sich auf die nächste hin aus, er treibt weiter. Man könnte ihn ein in Melodie umgesetztes [[neumen:litterae#c_-_st_-_x|statim]] nennen: obwohl er abrundet, treibt er doch mehr weiter. Der Porrectus ist grundsätzlich eine kurrente Neume, in wenigen Fällen verlangt der Kontext (ca.10%) aber einen ruhigen, nicht-kurrenten Vortrag der Neume. In den Hss wird sie oft mit Oriscus eingeleitet (Pressus resupinus) In Toledo ist er unverhältnismäßig klein geschrieben, sodass er nicht leicht als solcher zu erkennen ist cf.: T1+2 [[ant:7572]] [[ant:0061]] === PRR urg === [[ant:1416]] "ocu-//li// tui" –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– ===== CLIMACUS ===== {{ :neumen:clm_k-ia-nk.png?300|}} Der Climacus (**Clm**) ist eine Dreistufenneume hoch - tief - tiefer. Er ist eine erweiterte Clivis und beruhigt, rundet ab, vor allem verbreitert er ohne zu betonen. Er lässt Zeit zum Nachdenken. Sehr deutlich wird diese Funktion im [[cantillatio:cantillatio#exsultet|Exsultet]] am Ende jeder Prex. \\ ▪️ Das GR kennt nur eine Form des Clm, eine Virga (Quadrata mit Hals) gefolgt von zwei Rhomben und malt damit den kClm von G ab. G + L verwenden hingegen drei Formen des Clm: kurrent - nicht kurrent und Clm mit Anfangsartikulation (climacus initio articulatus = ia). \\ ▪️ Die Virga(-graphie) am Beginn der Neume in G bedeutet keine Mehrwertigkeit, sie zeigt den melodischen Höhepunkt an und hat den Wert der folgenden Graphie: Folgt ein Punktum (Clm - - 3) ist sie kurrent. Folgt ein Tractulus (Clm 1 2 3) ist sie nicht kurrent. Soll diese Virga nicht kurrent sein, obwohl ein Punktum folgt, muss sie episemiert sein (Clm 1 - 3). \\ ▪️ L + Ch schreiben den letzten Ton der Neume immer endartikuliert ( L Uncinus statt Punctum, Ch Tractulus satt Punctum). Die St.Galler Tradition notiert diese Endartikulation jeder Silbe/Neume grundsätzlich nicht, sie setzt sie als selbstverständlich voraus.\\ ▪️ Ch + MR kennen nur mehr zwei Formen des Clm k - nk, wobei Ch den mittleren Ton des Clm immer kleiner notiert als die beiden anderen, die Graphie steht also näher bei Clm 1-3 als bei Clm 123. MR verwendet verbundene (--3) und getrennte (123) Graphie, allerdings entspricht die Verwendung der beiden Formen nicht mehr eindeutig den Graphien in G + L.\\ ▪️ A+Y und Bv kennen nur mehr eine Form des Clm. Die graphischen Unterschiede in Bv sind nur mehr melodische Hinweise, ohne artikulatorische Bedeutung. Ebenso in Ch + MR: der Abstrich indiziert ein größeres Intervall. === Biv sbp ==== {{:neumen:nma_3bivsbp.png?180 |}} Bivirga subpunctis, oder anders gesagt: ein Clm am ersten Ton amplifiziert. vide: [[cento_rp:cent_8o#auth|RP8 CENTO Ω]]\\ e.g.: [[ant:7059]] "//le//-gem"